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"TK spezial" Bayern 4-2013

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Information about "TK spezial" Bayern 4-2013

Published on January 13, 2014

Author: TK_Presse

Source: slideshare.net

Description

Mit dem gesundheitspolitischen Newsletter "TK spezial" informieren wir über aktuelle gesundheits- und sozialpolitische Themen wie relevante vertragliche Regelungen, Projekte und Veranstaltungen der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern.

Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.
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Informationsdienst der techniker Krankenkasse Bayern Inhaltsverzeichnis Nr. 4 /Dezember 2013 Interview mit der bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml Interview mit dem Gesundheitswissenschaftler Prof. Tobias Esch Selbsthilfeförderung der TK in Bayern Wenn (nichts) ESSEN zur Sucht wird … Ein Besuch im Netzwerk Essstörung in München Im Pausenhof wird längst nicht mehr mit Puppen gespielt. Zehnjährige Mädchen spielen Szenen aus „Germany’s next Topmodel“ nach. Sie wissen nicht nur, wie man sich auf dem Laufsteg bewegt, sondern auch welches Körpergewicht die Teilnehmerinnen der beliebten Fernsehshow auf die Waage bringen. Und die Viertklässlerinnen wissen: Wer nicht dünn genug ist, fliegt raus. Längst ist der Schlankheitswahn in der Grundschule angekommen – und damit auch das Thema Essstörungen. „Wenn in der achten Klasse im Lehrplan steht, über Magersucht und Bulimie zu informieren, ist es für viele Mädchen schon zu spät – zumindest was die Vermeidung einer Essstörung durch Aufklärung angeht“, sagt Carolin Martinovic vom Therapienetz Essstörung, der größten Beratungsstelle für Essstörungen in Deutschland mit Hauptsitz in München. Die Betroffenen werden nicht nur immer jünger, auch Siebenjährige kommen bereits in die Beratungsstelle. „Das Thema versteckt sich heute außerdem meist unter dem Deckmantel ‚gesundes und bewusstes Essen‘. Der neueste Trend ist das sogenannte clean Food, sauberes Essen – die Idee, mit dem Essen den Körper reinzuhalten“, erklärt Martinovic. Klingt erst einmal positiv, doch auch so kann Essverhalten gestört werden. „Wenn Essen dein Leben beeinträchtigt“ Die Bandbreite bei Essstörungen geht vom Hungern bis hin zum Hineinfressen und zeigt sich daher meistens anhand starken Unter- oder Übergewichts. Essstörungen sind jedoch nicht immer körperlich sichtbar. Grundsätzlich liegt eine Essstörung vor, sobald das Essen den Alltag kontrolliert. „Wenn Essen dein Leben beeinträchtigt“ steht daher auf dem Flyer, mit dem das Netzwerk Hilfesuchende anspricht. Und schon lange melden sich dort nicht nur Frauen: Bis zu zehn Prozent der Betroffenen sind männlich. „Männer erkranken meistens erst später, also mit Anfang 20. Das liegt daran, dass Jungen in der Pubertät Muskeln bekommen und sich damit nach dem Schönheitsideal entwickeln“, erklärt Martinovic. Aber auch auf ihnen lastet der Druck, den Körper zu perfektionieren. Anders als bei den Mädchen wird nicht gehungert, sondern übertrieben trainiert. „Wir nennen das Sportbulimie. Das Essen wird nicht erbrochen, die Kalorien werden durch exzessives Training abgebaut.“ Ungefähr zehn Prozent der Essgestörten sterben an ihrer Krankheit. Damit ist die Krankheit eines der lebensgefährlichsten psychischen Leiden. Umso wichtiger ist es, ein engmaschiges Netz an Beratungs-und Therapiemöglichkeiten zu nutzen. Über die niederschwelligen Angebote wie Telefon, E-Mail oder Chat kommen die Hilfesuchenden in die Beratungsstelle. Mehr als 5.000 Kontakte mit 1.500 Personen werden jährlich gezählt. Danach folgt meist ein persönliches Gespräch mit den Beraterinnen, in dem geklärt wird, ob eine Essstörung vorliegt, was dahinter steckt und wie geholfen werden kann. „Wir verstehen eine Essstörung auch immer als einen Lösungsversuch, als Antwort auf eine schwierige Lebenssituation – in der Familie, in der Schule oder Beruf. Und wir versuchen herauszufinden, wie man die Schwierigkeiten anders Grüß Gott! In Bayern wuchs die TK dieses Jahr um mehr als 60.000 Versicherte und betreut im Freistaat heute weit über eine Million Kunden. Fast zwei Milliarden Euro investiert sie in die medizinische Versorgung in Bayern und engagiert sich dabei für straffe Verwaltungsprozesse und innovative medizinische Angebote. Dies ist dank unserer soliden Finanzen möglich, die es uns auch erlauben, für 2013 und 2014 eine Dividende an unsere Versicherten auszuschütten. Besonders hervorheben möchte ich, dass Bayern – neben dem Bund und Bremen – nun als einziger Flächenstaat über ein eigenständiges Gesundheitsministerium verfügt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der neuen Ministerin und ausgewiesenen Fachfrau Melanie Huml. Bei Ihnen, liebe Leser, möchte ich mich – auch im Namen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – für die gute Zusammenarbeit in diesem Jahr bedanken. Wir wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und beste Gesundheit im neuen Jahr. Christian Bredl Leiter der TK-Landesvertretung Bayern

Bayern bewältigt und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt“, erläutert die Sozial-Pädagogin. „Wir nehmen jeden ernst, der zu uns kommt – egal ob er auf eigenen Wunsch oder mithilfe der Eltern oder Freunde Kontakt zu uns aufgenommen hat. Wer bei uns sitzt, hat den ersten wichtigen Schritt getan.“ Information Eine Essstörung ist ein Schutzmechanismus Martinovic sieht soziale und kulturelle Ursachen als die häufigsten Auslöser der Essstörung. Es sind nicht die Schönheitsideale allein, die Essstörungen verursachen. „Eine Essstörung kann als Ausweg aus einer schwierigen Lage gesehen werden. Sie ist ein Schutzmechanismus. Sie hilft mir, so mit dem Essen bzw. nichts Essen beschäftigt zu sein, dass ich gar nicht mehr handeln kann bzw. muss“, erklärt die Therapeutin. Auch das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Gibt es Konflikte in der Familie, ist zum Beispiel die Magersucht ein Weg, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Mama und Papa vom Streiten abzuhalten. Essstörungen können außerdem Wege sein, um sich gegen Kontrolle aufzulehnen. „Wenn ich bestimme, dass ich nichts mehr esse, haben Mama und Papa keine Chance“, so Martinovic. Auch Lerneffekte spielen eine wichtige Rolle. Wenn Eltern Stress mit Essen abbauen oder mit Essen bestraft oder belohnt wird, hinterlässt das Spuren beim Kind. Trotzdem geht es bei der Ursachenanalyse nicht um Schuld. Martinovic: „Ich unterstelle zunächst jedem Elternteil, dass er immer das Beste für sein Kind getan hat. Werden aber im Rahmen der Therapie innerfamiliäre Konflikte angesprochen, lässt sich auch die Essstörung leichter behandeln, vorausgesetzt sie hängt damit zusammen. Deshalb sind das soziale Umfeld und die Gespräche mit den Eltern so wichtig.“ Im Therapienetz wird nicht nur beraten. Psycho- und Ernährungstherapie sowie die sozialpädagogische Begleitung spielen bei der Behandlung der Betroffenen eine wichtige Rolle. „Wir besuchen die Patienten daheim oder nehmen sie in unsere WGs auf, um sie während der Therapie bei den alltäglichen Aufgaben zu unterstützen und ihnen wieder Lust auf gemeinsame Aktivitäten zu machen“, sagt Martinovic. 40 Personen befinden sich derzeit in den WGs des Therapienetzes in der Münchner Innenstadt. Auch für Erwachsene mit Essstörungen gibt es Platz. Bei schwerwiegenden Krankheitsverläufen müssen die Betroffenen in einer Klinik untergebracht werden. Aber auch für diese Fälle ist das Therapienetz da. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden die Patienten von den Beraterinnen kontaktiert und wenn nötig betreut, um den Drehtüreffekt zu vermeiden, der gerade bei Essstörungen besonders häufig vorkommt. Finanziert wird dieses engmaschige Angebot vom Jugendamt, dem Bezirk und einzelnen Krankenkassen wie der TK. Auf jedes Suchtmittel kann man verzichten, auf das Essen jedoch nicht „Auf jedes andere Suchtmittel wie Rauchen oder Drogen kann man komplett verzichten, auf das Essen jedoch nicht. Das macht diese Krankheit so schwierig“, erklärt Martinovic. Und auch wenn die meisten Betroffenen nach einigen Monaten austherapiert sind und man ihnen die Essstörung nicht mehr ansieht, stellt ein natürliches Essverhalten meist eine lebenslange Herausforderung dar. „Wir sprechen schon lange nicht mehr von ‚normalem Essverhalten‘“, sagt die Betreuerin. „Mittlerweile ist es normal, dass eine 13-Jährige eine Diät macht – natürlich ist das allerdings nicht.“ Weitere Informationen gibt es unter www.therapienetz-essstoerung.de. Lebenspraktische Begleitung für Betroffene Die TK kooperiert mit dem Therapienetz Essstörung. Das integrierte Versorgungsangebot umfasst Therapiemöglichkeiten mit klaren Therapieplänen und individuellen Ansprechpartnern sowie einer lückenlosen Behandlung und Begleitung. Annette Bleher von der TK mit dem Organisator des Projekts Albert Kapfhammer vom Verein Kultur & Spielraum Essstörungen vermeiden – TK fördert Präventionsprojekt „echt schön!“ in München Körperkult und Aussehen spielen im Gesundheitswesen eine immer wichtigere Rolle. 813 Teenager aus Bayern landeten letztes Jahr wegen einer Essstörung in einer Klinik – das sind 20 Prozent mehr als 2007. Grund genug, um Jugendliche über den krankhaften Schlankheitswahn aufzuklären. Mit 19.900 Euro fördert die TK deshalb das Stadtteil- und Schulprojekt „echt schön!“ in MünchenMilbertshofen. „echt schön!“ besteht aus einer Ausstellung in der Jugendwerkhalle Milbertshofen, die mit spannenden Informationen über Schönheit und Gesundheit aufklärt. Für eine aktive, kritische und lustvolle Auseinandersetzung mit den verschiedenen Themenaspekten gibt es attraktive Aktionsbereiche, die von Künstlerinnen und Künstlern, Kulturpädagogen und Gesundheitsexpertinnen angeleitet werden. Zehn Schulklassen haben die Ausstellung bereits besucht und gemalt, sich verkleidet, fotografiert, recherchiert und diskutiert. Die Arbeiten, die die Schülerinnen und Schüler aus dem Stadtteil in den Ateliers erstellt haben, werden im April 2014 im Kulturhaus Milbertshofen gezeigt. Weitere Informationen gibt es unter www.tk.de, Webcode 612668. TK spezial 4 / 2013 2

Bayern „Der Wettbewerb muss zum Wohl der Patienten gestärkt werden“ Zur Person Interview mit der neuen Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege TK spezial: Der Zusatzbeitrag ist in der letzten Legislaturperiode in die Kritik geraten. Frau Staatsministerin, werden die Krankenkassen, wenn es nach Ihnen geht, wieder die volle Beitragsautonomie erhalten? Huml: Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen muss zum Wohl der Patienten gestärkt werden. Deshalb treten wir für eine Regionalisierung des Gesundheitsfonds und die Wiederherstellung der Beitragsautonomie der Krankenkassen ein. Wir brauchen ein Ende dieses Länderfinanzausgleichs, mit dem Bayerns Beitragszahler die Versorgung anderswo mitfinanzieren. Wenn eine umfassende Reform der GKV-Finanzen nicht sofort möglich ist, werden wir auf Veränderungen im bestehenden System wie z. B. durch eine regionale Komponente bestehen. TK spezial: Die Krankenhäuser stehen vor großen Herausforderungen, wo besteht aus Ihrer Sicht dringender Handlungs- bzw. Reformbedarf? Huml: Bayerns Krankenhäuser sind wichtige Eckpfeiler der medizinischen Versorgung. Bayern hat seine Hausaufgaben gemacht – und die Investitionskostenförderung wieder auf 500 Mio. Euro angehoben. Gemeinsam mit den Kommunen wurden seit Beginn der staatlichen Krankenhausförderung 1973 über 20 Milliarden Euro in die bayerischen Kliniken investiert. Wir brauchen aber auch den Bund an unserer Seite, etwa was die Finanzierung der Betriebskosten betrifft. Hier muss Schluss sein mit kurzfristigen Notmaßnahmen. Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierung. Im Mittelpunkt stehen die bessere Berücksichtigung der tatsächlichen Preis- und Tarifentwicklungen und die dauerhafte Abschaffung der doppelten Degression: Wenn einzelne Krankenhäuser zusätzliche Patienten versorgen, müssen sie bisher – wie bei einem Mengenrabatt – Abschläge hinnehmen. Gleichzeitig dürfen nicht länger auch die anderen, keine Mehrleistungen erbringenden Krankenhäuser in die finanzielle Mithaftung genommen werden. TK spezial: Über einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde schon viel diskutiert, umgesetzt wurde er bisher nicht. Wie schätzen Sie, Frau Staatsministerin, den Reformbedarf in der Pflege in den kommenden Jahren ein? Huml: Menschen mit Demenzerkrankungen und geistigen Beeinträchtigungen müssen besser als bisher in der Pflegeversicherung berücksichtigt werden. Sie sollen die gleichen Leistungen erhalten wie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Es gilt, die Leistungen flexibler und unbürokratischer zu handhaben. So kann jeder Einzelne sein Pflegearrangement nach individuellen Bedürfnissen gestalten. Auch brauchen wir mehr wirksame Angebote, die pflegende Angehörige entlasten. Ich denke hier an mehr Möglichkeiten innerhalb der Tages- oder Kurzzeitpflege. TK spezial: Was wünschen Sie sich persönlich für die nächsten fünf Jahre als Bayerische Gesundheitsministerin? Huml: Die Menschen in Bayern möchten möglichst lange aktiv und gesund bleiben. Dabei will ich sie unterstützen. Deshalb stärken wir in Bayern die Prävention und erarbeiten gerade einen Bayerischen Präventionsplan. Zu den Schwerpunkten unseres Präventionsplans gehört es, dass die gesundheitliche Chancengleichheit für Bayerns Kinder verbessert wird. Damit wir die Prävention noch stärker zu den Bürgern vor Ort bringen, wollen wir die Modellprojekte „Gesunder Landkreis – Runde Tische zur Regionalen Gesundheitsförderung“ bayernweit ausweiten. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, die Schuleingangsuntersuchungen zeitlich vorzuverlegen und den Umfang der Untersuchungen zu vergrößern. Denn viele Krankheiten können durch eine gesunde Lebensweise verhindert werden. Dieses Bewusstsein wollen wir stärken! Melanie Huml, MdL Melanie Huml (38) ist neue Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege. Sie ist approbierte Ärztin, verheiratet und Mutter eines Sohns. In den vergangenen sechs Jahren saß sie bereits als Staatssekretärin für Soziales sowie für Umwelt und Gesundheit am Kabinettstisch in München. Zu ihrer Berufung sagte die neue Staatsministerin für Gesundheit und Pflege: „Bayern hat als eines der ersten Bundesländer ein eigenständiges Ministerium für Gesundheit und Pflege ins Leben gerufen. Das ist ein starkes sozialpolitisches Signal. Ich freue mich, dass ich für so wichtige Themen Verantwortung übernehmen darf. Die Menschen stellen sich besonders zwei Fragen: Wie bleibe ich gesund? Wie kann ich im Alter leben? Da erwarten die Menschen Antworten. Wir müssen einerseits die Voraussetzungen schaffen, dass die Menschen möglichst lange möglichst aktiv bleiben können. Dafür möchte ich in einem Bayerischen Präventionsplan neue Akzente setzen. Auf der anderen Seite brauchen wir gerade in einer älter werdenden Gesellschaft eine wohnortnahe, medizinisch hochwertige Versorgung, die den besonderen Bedürfnissen der Menschen gerecht wird. Wir brauchen Menschlichkeit – in der medizinischen Versorgung genauso wie in der Pflege. Wir werden uns weiterhin für einen solidarischen und würdevollen Umgang mit schwerkranken und pflegebedürftigen Menschen einsetzen, für die Pflegekräfte und pflegende Angehörige in Bayern ein starker Fürsprecher sein.“ TK spezial 4 / 2013 3

Bayern Glück und Gesundheit am Arbeitsplatz Der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Tobias Esch von der Hochschule Coburg erklärt im Interview, wie Abschalten funktioniert Zur Person TK spezial: Glücklich im Job – geht das heute überhaupt noch? Und wenn ja, wie schafft man das? Prof. Esch: Ja, grundsätzlich geht das auf jeden Fall. Zunächst sollte jedem einmal bewusst sein, dass man ohne Arbeit in der Regel noch viel unglücklicher wäre. Ganz wichtig für das eigene Glück ist die Vereinbarkeit der verschiedenen Rollen, die wir haben. Das heißt, wir müssen klar zwischen Privat- und Berufsleben trennen. Das gilt zumindest für die meisten von uns. Hierbei ist der Arbeitgeber, aber auch jeder Einzelne gefragt. Dazu sollte man sich auf die positiven Aspekte seiner Arbeit konzentrieren: die Gemeinschaft mit den Kolleginnen und Kollegen, die man im Job erleben kann, die Möglichkeit, Ziele zu haben, die ich auch erreichen und feiern kann. Arbeit kann außerdem Inspiration sein. Und wenn mir mein Arbeitsplatz all diese Dinge nicht bieten kann, dann muss ich selbst für Inspiration in meinem Leben sorgen. Dann muss ich lernen, meine Ressourcen so einzuteilen, dass ich mein Leben noch mit inspirierenden Dingen füllen kann. TK spezial: Manager haben den höchsten Stresslevel von allen Berufsgruppen – acht von zehn sind gestresst, fast drei von zehn stehen sogar unter Dauerdruck. Kommt der Stress am Arbeitsplatz also vom gestressten Chef? Prof. Esch: Wenn nur der Chef der Auslöser für Stress ist, würde das bedeuten, dass der Chef gewissermaßen „Schuld“ am Stress ist. Aber damit machen wir es uns zu einfach. Diese Einstellung hat meiner Meinung nach lange dazu geführt, dass Führungskräfte sehr skeptisch gegenüber Dingen wie dem betrieblichen Gesundheitsmanagement waren. Wir müssen erst einmal bei uns selbst anfangen. Auch als Arbeitnehmer muss man an seinem Kommunikationsstil arbeiten. Man kann lernen, wie man beispielsweise stressreduzierende Aspekte wie Wertschätzung und Lob einfordert – und selbst auch etwas zu einem positiven Betriebsklima beiträgt. Auch ein Chef braucht einmal Lob. Ganz wichtig ist außerdem, dass die Führungskräfte eingebunden werden und man nicht mit dem Finger auf sie zeigt. Denn jede Veränderung einer Unternehmenskultur gelingt nur, wenn man mit den Chefs zusammenarbeitet und Instrumente wie 360-Grad-Feedbacks einführt. Solch ein Prozess dauert meistens mehrere Jahre, aber wenn es klappt, profitieren alle ungemein. Und zu den „gestressten Chefs“ möchte ich abschließend kritisch anmerken, dass gerade die „Chef-Chefs“ zwar oftmals enorme Belastungen schultern, damit auch viel Stress haben und dieses in Befragungen richtigerweise angeben – welcher Chef würde von sich auch das Gegenteil behaupten, es gehört ja fast zum guten Ton –, aber die Wahrheit ist eben auch, dass sie in der Regel Gestaltungsspielräume haben. Viele von ihnen empfinden, wie andere Studien zeigen, ihre Arbeit und sich darin als sinnvoll und inspirierend. Es ist die Kombination aus diesen Aspekten, zusammen mit der Fähigkeit, abschalten zu können, die letztendlich für das Gesundheits-„Ergebnis“ entscheidend ist. TK spezial: Fast drei von zehn Menschen in Deutschland geben an, dass sie „always on“ sind – über die Hälfte der Menschen hierzulande ist dagegen noch echter Offliner. Sind die technischen Möglichkeiten zur ständigen Erreichbarkeit aus Ihrer Sicht Fluch oder Segen? Prof. Esch: Es ist ganz sicher beides. Momentan sind die Möglichkeiten eher ein Fluch, weil wir nicht gelernt haben, damit umzugehen und uns abzugrenzen. Wir sind von der Biologie nicht dafür gemacht, in der Welt der modernen und sozialen Medien immer erreichbar zu sein. Deshalb bedarf es einer Kultur des Abschalten-Könnens und einer Emanzipation des Nutzers. Und gerade beim Thema Stressreduktion und Glück am Arbeitsplatz geht es ganz besonders um Kommunikation und um die Beziehungen, die wir miteinander haben. Und ein großer Teil dieser Beziehungen kann eben nicht durch die technischen Möglichkeiten gelebt werden. Also, Telefon auch einmal bewusst abschalten und persönliche Kontakte pflegen! Prof. Dr. Tobias Esch Prof Dr. Tobias Esch ist Mediziner und Gesundheitswissenschaftler. Er ist Professor für Integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg, assoziierter Wissenschaftler an der State University of New York und Institutsleiter in Potsdam. Im Sommer 2013 wurde er an die Harvard Medical School berufen, wo er aktuell als Visiting Professor of Medicine (Gastprofessor) im Rahmen eines Harkness-Fellowships arbeitet und forscht. Hintergrund „Bleib locker, Deutschland!“ Jeder vierte Berufstätige ist laut einer aktuellen Forsa-Befragung im Auftrag der TK dauerhaft gestresst. Mehr als jeder siebte Berufstätige hat Angst, beim Arbeitstempo bald nicht mehr mithalten zu können – von den über 45-Jährigen ist es sogar jeder Fünfte. Die Stressoren im Job sind beispielsweise zu viel Arbeit, Termindruck und Hetze, Informationsüberflutung, ungenaue Anweisungen und Vorgaben, ungerechte Bezahlung, mangelnde Anerkennung, geforderte ständige Erreichbarkeit. Weitere Informationen zur TK-Stressstudie „Bleib locker, Deutschland!“ gibt es unter www.tk.de, Webcode 609552. TK spezial 4 / 2013 4

Bayern TK spezial: Mehr als jedem dritten Berufstätigen gelingt es nach Feierabend und am Wochenende aber nicht, richtig abzuschalten. Wie trainiert man Abschalten? Prof. Esch: Meine wichtigste Empfehlung ist in diesem Punkt immer, den Übergang zwischen Arbeit und Privatleben wirklich auch wahrzunehmen. Gut ist zum Beispiel, auf dem Nachhauseweg ein Ritual zu  Neurobiologie des Glücks – Die haben, bei dem man bewusst aus der Wie die Positive Psychologie die Arbeitsrolle schlüpft. Viele kommen nach Medizin verändert (Thieme 2013; Hause und setzen sich vor den Fernseher. 2. Auflage) Das ist natürlich auch ein Ritual, das der Entspannung dient. Aber meistens geht  Stressbewältigung mithilfe der es dann um Mord und Totschlag, Stress Mind-Body-Medizin – Trainingsund Beziehungsdramen, und weil unser manual zur Integrativen GesundGehirn oft nicht zwischen Realität und heitsförderung (MWV 2013; 1. Fiktion unterscheiden kann, geraten wir Auflage) wieder in den Stress-Rhythmus, den wir sonst am Arbeitsplatz haben. Für viele gilt es daher, nachdem man abends angekommen ist, Sport zu machen oder Freunde zu treffen. Also Inspiration tanken oder innere Einkehr halten – eine Verabredung mit sich selbst, aus dem Trott raus, wieder ausgehen, auch wenn man dafür erst einmal den inneren Schweinehund überwinden muss. Denn wenn man sich wieder aufgerafft hat, dann ist der Erholungseffekt oftmals viel höher. Wer private Erlebnisse genießt, empfindet häufig mehr Glück im Leben. Information Publikationen von Prof. Dr. Tobias Esch: TK spezial: Sie forschen momentan in Harvard, USA – haben die Amerikaner eine gesündere Einstellung zum Job als die Deutschen? Oder ist es eher umgekehrt? Was kann man voneinander lernen? Prof. Esch: Ich sehe hier durchaus Dinge, die positiver sind als in Deutschland. Es gibt in den USA beispielsweise die Grundregel, dass man sich am Arbeitsplatz nicht beschimpft und böse Worte verliert. Man könnte das als oberflächlich bezeichnen, aber für die Arbeitnehmer macht es das Arbeiten angenehmer. Ich muss keine Angst haben, dass mein Chef mich vor allen Kollegen klein macht oder ausflippt. Außerdem ist es für Angestellte hier üblich, von neun bis fünf und nicht länger zu arbeiten. Man trennt also klar zwischen Arbeitsstunden und privater Zeit. Menschen werden hier auch oftmals anders wahrgenommen. Das bedeutet, jemand darf auch mal Stellung beziehen, sich beruflich „zeigen“, obwohl er noch nicht am höchsten Punkt seiner Karriere steht. Man schaut, was jemand kann und wartet nicht, bis er sämtliche Auszeichnungen um den Hals hängen hat, damit er aktiv werden darf. Dagegen kann man in den USA auch sehr schnell sehr tief fallen und das ist natürlich ein Aspekt, der unglaublich viel Stress macht. Hier passiert alles ohne doppelten Boden und Berufswege sind keine Einbahnstraßen – es kann auch abwärts gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, aber eben auch erhebliche Risiken. Eine Mischung wäre vielleicht das Wünschenswerte. v. l. n. r.: Christian Bredl, Leiter der TK-Landesvertretung Bayern, Dr. Harald Fichtner, Oberbürgermeister der Stadt Hof, Hubert Kapp, Leiter der Kundenberatung in Hof, Werner Rausch, KB-Mitarbeiter in Hof, Ingmar Bertling, Leiter der TK-Kundenberatung in Bayern, Kerstin Lowak, KB-Mitarbeiterin in Hof Oberbürgermeister eröffnet Kundenberatung Seit dem 13. November 2013 ist die TK mit einer Geschäftsstelle in Hof vertreten. Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner sprach zur Eröffnung das Grußwort. Thomas Aderhold, TK-Vertriebsleiter für Ober- und Mittelfranken, sagt: „Die positive Mitgliederentwicklung der letzten Jahre hat dazu beigetragen, dass die TK nun auch in Hof direkt vor Ort ist.“ Bisher mussten die Versicherten nach Bayreuth oder Plauen fahren. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der TK-Versicherten in Bayern von etwa 645.000 auf über eine Million gewachsen. In Oberfranken wuchs die TK innerhalb von zehn Jahren um 50 Prozent auf mehr als 60.000 Versicherte. Mit bundesweit insgesamt 8,6 Millionen Versicherten ist die TK die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands. TK spezial 4 / 2013 5

Bayern Bayerische Selbsthilfe profitiert vom Mitgliederwachstum der TK Information Selbsthilfeförderung der TK in Bayern 2013 stellte die TK 295.000 Euro für die Selbsthilfeförderung in Bayern zur Verfügung. Dieses Geld verteilt sich auf örtliche Selbsthilfegruppen, landesweite Organisationen und Selbsthilfekontaktstellen. Alle werden pauschal gefördert, die landesweiten Selbsthilfeorganisationen darüber hinaus auch projektbezogen. Viele Menschen in Bayern profitieren von den Fördergeldern Das Budget für die Selbsthilfeförderung orientiert sich an der Anzahl der TK-Versicherten im Freistaat. Da sich in den letzten Jahren immer mehr Menschen für eine Mitgliedschaft bei der TK entschieden, steht für die Selbsthilfe mehr Geld zur Verfügung. Allein von 2013 zu 2014 steigt das Budget um 10,5 Prozent oder 31.000 Euro. Viele Menschen in Bayern profitieren von den Fördergeldern für die Selbsthilfe: der autistische Junge, der in einer Musikgruppe Teamarbeit lernt, die Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Krebskranke, die in einem Seminar erfährt, wie man neue Gruppenmitglieder integriert, oder ältere Stotterer, die in einem Theaterprojekt ihre Sprechhemmung überwinden. „Die Förderung der Selbsthilfe liegt uns am Herzen, weil sie eine notwendige Ergänzung zum herkömmlichen Medizinbetrieb bietet. Wenn Patienten ihre eigenen Erfahrungen weitergeben, setzen sie sich aktiv mit ihrer Krankheit auseinander und können Hilfe für andere sein“, sagt Christian Bredl, Leiter der TK-LV Bayern. Versicherte in Bayern Region Mitglieder Fam.-Angehörige Versicherte insgesamt Oberbayern 35.147 15.234 50.381 Oberpfalz 46.421 18.950 65.371 Oberfranken 42.580 17.279 59.859 Mittelfranken 112.124 41.806 153.930 Unterfranken 89.639 36.141 125.780 Schwaben 97.893 39.670 137.563 Gesamt Bayern 758.335 293.318 1.051.653 Am traditionellen Sommerempfang der TK in Bayern nahmen über 150 Gäste aus der bayerischen Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft teil. Daniel Bahr, Bundesminister für Gesundheit, und Dr. Jens Baas ließen in ihren Redebeiträgen die aktuelle Legislaturperiode Revue passieren und gaben einen Ausblick auf die notwendigen gesundheitspolitischen Reformen nach der Bundestagswahl. Diese Anregungen nutzten die Gäste zu einem offenen Gedankenaustausch und kontroversen Diskussionen. 334.531 124.238 458.769 Niederbayern TK-Sommerempfang 2013 TK insgesamt 6.281.210 2.342.926 8.624.136 Impressum Herausgeber: Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Bayern Rosenheimer Straße 141, 81671 München Verantwortlich: Christian Bredl Redaktion: Alexander Becker und Kathrin Heydebreck Telefon: 089 - 490 69    00 -6 Telefax: 089 - 490 69    24 -6 E-Mail: lv-bayern@tk.de Twitter: twitter.com/krankenkasse Internet: www.tk.de/lv-bayern Die TK-Landesvertretung Bayern bedankt sich für ein erfolgreiches Jahr der Zusammenarbeit. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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