Preistreiber Nr. 1 = SBB + Reise < 1 h

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Information about Preistreiber Nr. 1 = SBB + Reise < 1 h

Published on October 2, 2016

Author: MartinIsler

Source: slideshare.net

1. Wer in der Vergangenheit wissen wollte, wo die Immobilienpreise steigen werden, musste sich in erster Linie mit dem SBB-Fahrplan und den geplanten Bahnausbauten beschäftigen. Immer mehr, immer weiter. Ungebrochen steigen Jahr für Jahr Tempo und Frequenz der Pendlerströme. Jeden Werktag bewegen sich 9 von 10 Erwerbstätigen in der Schweiz zum Arbeitsplatz, der sich ausserhalb ihres Wohngebäudes befindet. Dies entspricht immerhin 3,9 Millionen Menschen, die unterwegs sind. Zwei von drei dieser Personen verlassen hierfür auch ihren Wohnort. Etwas mehr als die Hälfte der Pendlerinnen und Pendler wählt für diese Strecke den Personenwagen als Hauptverkehrsmittel. Doch es werden von Jahr zu Jahr weniger Automobilisten. Die Anzahl jener, die ihre Zeit zwischen Wohn- und Arbeitsort in der Bahn verbringen wollen, steigt stetig. Hierzu beigetragen haben die grossen Investitionen in ein leistungsfähiges nationales Bahnnetz sowie in diverse regionale S-Bahn-Angebote. Dank unserer Konkordanzdemokratie wurden zudem alle Landesteile mehr oder weniger gerecht berücksichtigt. Die persönliche Work-Life-Balance mit täglich zwei Stunden Reisen in der Gruppe anzureichern wird als unbedenklich angesehen. Darüber hinaus folgt laut Bundesamt für Gesundheit ziemlich schnell die noch zumutbare Schmerzgrenze. Doch auch mit reguliertem Zeitbudget lassen sich ordentliche Sprünge machen. Die SBB sind hier in der Rolle des Schlüsselspielers. Gemeinden, die vor Jahren noch nicht zur Agglomeration von Zürich oder Bern zählten, gehören dank Anschluss im Taktfahrplan heute dazu. Die Entwicklung dieser Gemeinden gewann sprunghaft an Dynamik. Vielerorts rieb man sich verwundert die Augen und erkannte nach kurzer Zeit die eigene Gemeinde kaum wieder. Eine toxische Mischung aus im Vergleich zur Stadtnähe günstigem Bauland verbunden mit dem festen Willen der Gemeindeexekutive, «gute Steuerzahler» anzuziehen, löste vielerorts einen regelrechten Bauboom aus. Nicht nur an besten Lagen ermöglichte der Service Public die Erfüllung von Wohnträumen, die für manchen im Grossraum Zürich oder Bern nicht möglich gewesen wäre. Die Infrastruktur-Milliarden haben seit den 1960er Jahren in den zentrumsnahen Gebieten das Landschaftsbild komplett und nachhaltig verändert. Erreichbarkeit und das Credo, möglichst ohne Zeitverlust von A nach B zu kommen, liessen raumplanerischen Diskussionen wenig Raum. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist für den Wert der Immobilie wichtiger als der Ausbaustandard oder der Steuerfuss in der Gemeinde. Der Druck auf gute erschlossene Lagen erhöht sich dadurch weiter. Denn je näher am Bahnhof, desto höher der Immobilienwert. Am Ende des Tages entscheidet der Fahrplan und nicht Höhe und Umfang des Infrastrukturprojektes. Mit der Eröffnung des weltweit längsten Bahntunnels rückt der Kanton Tessin verkehrstechnisch näher an die Deutschschweiz. Der 57 Kilometer lange Tunnel wird die Fahrzeit von Zürich nach Lugano um eindrückliche 40 Minuten verkürzen. Der Immobilienmarkt dürfte aber eher gering profitieren, da die Reisezeiten in die Deutschschweizer Zentren für den Grossteil der Beschäftigten immer noch deutlich über der Toleranzgrenze liegen. 07.2016 l Martin Isler l Marc Seiler l Bank J.Safra Sarasin AG l Real Estate Hub Switzerland KOLUMNE Preistreiber Nr. 1 = SBB + Reise < 1 h

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