Newsletter 2. FORUM Bildung

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Information about Newsletter 2. FORUM Bildung

Published on May 20, 2016

Author: AGVHessenChemie

Source: slideshare.net

1. CHEMIEVERBÄNDE HESSEN Liebe Leserinnen und Leser, am 21. April fand das 2. FORUM Bildung im ehemaligen Schloss der Fürsten von Nassau in Wiesbaden-Biebrich statt. Für alle Teilnehmer, die nachlesen möchten, welche Schwerpunkte in den einzelnen Vorträgen und Workshops besprochen wurden, und für alle, die leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, bieten wir mit diesem neuen Newsletter eine Zusammenfassung sowie ergänzende Informationen. Außerdem geben wir einen ersten Ausblick auf unser nächstes Thema (mehr dazu auf Seite 4). Beim 2. FORUM Bildung drehte sich alles um die zukünftigen Herausforderungen in der beruflichen Bildung. Der Anpassungs- druck ergibt sich vor allem aus den veränderten Ansprüchen der jungen Menschen und den aktuellen Entwicklun- gen in der Arbeitswelt. Hinzu kommen gesellschaftliche Herausforderungen, wie zum Beispiel die Flüchtlingsthematik. Mit besten Grüßen Heike Blaum, VCI Hessen Jürgen Funk, HessenChemie Dr. Karsten Rudolf, Sprecher FORUM Die Zeiten ändern sich: alternative Ausbildungsmodelle, Methoden, Formate und Inhalte, die motivieren. „Heute verändert sich alles schneller“ – so oder so ähnlich klingt es, wenn man Experten über die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen in allen Lebensbereichen reden hört. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen an das Bildungssystem und die duale Ausbildung. Aber was heißt das konkret? Ist heute wirklich alles anders und wenn ja, wie geht man als Ausbilder damit um? Wie ticken die jungen Menschen und welche Erwartungen haben sie an ihren zukünftigen Ausbildungsbetrieb? Die von Dr. Karsten Rudolf (Provadis Gruppe) moderierte Veranstaltung umfasste am Vormittag zunächst zwei Impulsvorträge. Die Themen wurden im Anschluss mit der World-Café-Methode diskutiert und bearbeitet. Um den Diskurs zu vertiefen, wechselten die Teilnehmer dazu mehrmals die Tische und beleuchteten die wichtigsten Fragen aus drei verschiedenen Perspektiven. Am Ende stand eine Abschlussrunde im Plenum, bei der eine erste Zusammenfassung der Ergebnisse präsentiert wurde (mehr dazu in den „Spotlights“ ab Seite 2). FORUM Bildung Die offene Plattform für Bildungsfachleute

2. Wer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von morgen gewinnen und begeistern möchte, muss die Jugendlichen von heute verstehen. Der multimediale Vortrag von Peter Martin Thomas, dem Leiter der SINUS-Akademie, gab einen Einblick in die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten sowie deren Zukunftsvorstellungen und Erwartungen. Daraus lassen sich Erkenntnisse für die Gewinnung und Begleitung von Auszubildenden ableiten. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Es gibt nicht die eine Generation Y mit gleichen Werten und Ansprüchen. Die SINUS-Akademie unterscheidet vielmehr sieben verschie- dene Lebenswelten – von den Konservativ-Bürgerlichen über die materialistischen Hedonisten bis hin zu Expeditiven. Auf diese unterschiedlichen Zielgruppen innerhalb der jungen GenerationmüssensichUnternehmen– vorallembeiderSuche nach Auszubildenden – einstellen. Trotz ihrer unterschiedlichen Werte haben die Jugendlichen dennoch einiges gemeinsam: Durch die schnelle technolo- gische Entwicklung in den letzten zehn Jahren und die damit verbundene Digitalisierung des Alltags steht das Internet immer im Mittelpunkt: „Sie sind immer und überall online, solange der Akku hält“, erklärt Thomas. Veränderte Voraussetzungen in der Jugend führen zu veränderten Ansprüchen als Erwachsene. So gebe es heut- zutage mehr Einzelkinder, deren Wünsche im Mittelpunkt der Eltern stehen. Das verbessere einerseits die Beziehung zu den Eltern, andererseits erwarteten die Jugendlichen dadurch im Beruf ein größeres Mitspracherecht. Die vielen Angebote und Optionen bei der Berufs- und Studienwahl führen bei ihnen zu einem erhöhten Leistungs- Auszubildende gewinnen und fördern – Erkenntnisse aus der SINUS-Jugendstudie 2. FORUM Bildung  Spotlight ... aus dem World Café Die Perspektive der Jugendlichen Jugendliche wollen ernst genommen werden. Sie wünschen sich abwechs- lungsreiche Aufgaben, wollen mitbestimmen und erwarten eine regelmäßige Leistungsbewertung. Unklar ist ihnen oft, was sie für ihre Ausbildung an FertigkeitenundFähigkeitenmitbringensollen.DasGehaltistnichtinersterLinie ausschlaggebend für die Berufswahl. Immer mehr rücken die Unternehmens- kultur, das Arbeitsklima und die soziale Verantwortung in den Fokus. Für die Berufswahl auch mitentscheidend: der Wunsch nach der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und die Übernahme nach der Ausbildung. druck und der Zwang zum eigenverantwortlichen Handeln äußert sich häufig in Überforderung und Selbstzweifeln. Die Entscheidung für einen bestimmten Berufsweg wird deswegen oft weit nach hinten verschoben. Zusammen mit der von den Eltern weitergegebenen Vorstellung, nur mit einem Studium eine erfolgreiche Karriere beginnen zu können, entscheiden sich immer weniger Jugendliche – aktuell nur noch 24 Prozent der Schulabgänger – für eine duale Ausbildung. Zudem treten immer mehr weiche Faktoren bei der Berufswahl in den Vordergrund: Spaß und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben stehen sogar vor der Höhe des Einkommens. Wie ticken Jugendliche 2016? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland Nach den Vorgängerstudien (2008, 2012) legte das SINUS-Institut im April 2016 bereits die dritte Unter- suchung der viel beachteten Reihe „Wie ticken Jugendliche?“ vor. Das Buch zum Vortrag steht kosten- los als E-Book zum Download bereit. Hierzu einfach auf das Buch klicken. Als Taschenbuch ist es vom Springer- Verlag mit der ISBN 978-365-812- 532-5 im Buchhandel erhältlich. INFOBOX Peter Martin Thomas, SINUS-Akademie

3. Der Vortrag „Das duale System: aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen“ von Herbert Tutschner, Arbeits- bereichsleiter für Elektro-, IT- und naturwissenschaftliche Berufe beim Bundesinstitut für Berufsbildung, beschäftigte sich mit der Weiterentwicklung des Berufsbildungssystems. Zentrale Themen sind derzeit auch hier die Digitalisierung der Arbeitswelt, die Durchlässigkeit des Bildungssystems, die zunehmende Internationalisierung sowie die Herausforderun- gen der Inklusion und die Integration von Flüchtlingen in die Ausbildung. Tutschner vertritt die Auffassung, dass das duale Ausbil- dungssystem an Attraktivität zunehmen müsse, um auch in Zukunft den Fachbedarf der Unternehmen decken zu können. Das Image der betrieblichen Ausbildung sei – vor allem im Vergleich zum Studium – in den letzten Jahren im- mer schlechter geworden. Darin sieht er auch ein Versäumnis beziehungsweise eine Fehlsteuerung der Politik. Um lang- fristig Ausbildungsplätze besetzen zu können, müsse die sinkende Anzahl an Schulabgängern von den Vorteilen und Perspektiven einer dualen Ausbildung überzeugt werden. „Hier müssen auch die Unternehmen noch stärker tätig wer- den“, rät Tutschner. Ansätze dafür sieht er in einer verbesserten Berufsorien- tierung, in der Optimierung der Ausbildungsvorbereitung für Benachteiligte und in der Neuordnung von Förderstrukturen. Ebenso sei es wichtig, die Übergänge in die betriebliche Ausbildung auszubauen und die Flexibilisierung der beruf- lichen Bildung voranzutreiben. So sei die duale Ausbildung vor allem in Kombination mit einem vorherigen Praktikum die ideale Grundlage für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Je nach angestrebtem Tätigkeitsfeld könnten inner- und außerbetriebliche Fortbildungen oder ein Studium auf die Berufsausbildung aufbauen. „Wir müssen deutlich machen, dass die duale Berufsausbildung keine Sackgasse darstellt“, so Tutschner. In diesem Sinne sei es wichtig, die Durch- lässigkeit und damit die Anschlussfähigkeit beruflicher Abschlüsse deutlich zu machen sowie jungen Erwachsenen durch Nachqualifizierung eine „zweite Chance“ zu ermögli- chen. Durch Kooperationen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik schaffe man langfristig die Grundlagen für eine zukunftsorientierte Berufsbildungspolitik. Im Kontext der steigenden Internationalisierung sollten vor allem die Mobilität und Anerkennung der Abschlüsse opti- miert und die duale Ausbildung im europäischen Vergleich gestärkt werden, um das Potenzial auch auf dem internatio- nalen Bildungsmarkt zu sichern. Aktuelle Entwicklung und Herausforderungen der dualen Ausbildung – Impulse aus dem BiBB 2. FORUM Bildung  Spotlight ... aus dem World Café Die Perspektive des Ausbildungsbetriebs Unternehmen müssen neue Zielgruppen erschließen. Dabei spielen Jugendliche mit Migrationshintergrund und „bildungsferne“ Jugendliche zunehmend eine wichtige Rolle. Auch die frühzeitige Einbindung von Eltern in den Berufsorien- tierungsprozess ist zielführend. Für die Eingliederung stehen passende Programme wie „Start in den Beruf“ zur Verfügung. Die Kooperationen zwischen Unternehmen und Schulen sollten ausgebaut werden, um das Matching zu verbessern. Praktika sind eine Chance, den Ausbildungseinstieg zu festigen und Vertragsrückgaben zu minimieren. Eine interessante Ziel- gruppe stellen außerdem die Studienabbrecher dar. Herbert Tutschner, BiBB

4.  Unser nächstes Thema Schule meets Industrie: wie Schüler heute ticken, wie wir mit Lehrern arbeiten können und welche Kooperationen sinnvoll sind Freuen Sie sich auf das 3. FORUM Bildung im Herbst 2016 Das neue Format „FORUM Bildung“ soll durch eine Mischung aus Hintergrundinformationen und Praxisbezug einen möglichst großen Nutzen für den Arbeitsalltag bieten. Zudem soll es Practice-Börse und Ideenpool sein und gleich- zeitig das branchenspezifische Engagement stärker bündeln und die Kommunikation darüber verbessern. Teilnehmen können daher alle mit Bildungsfragen beauftragten Mitarbeiter der Mitgliedsunternehmen. Mit zwei Veranstaltungen pro Jahr und Themenvorschlägen aus dem Teilnehmerkreis wollen die Chemieverbände Hessen stets am Puls der Zeit sein und exklusiv für ihre Mitgliedsunternehmen einen Mehrwert bieten. Dafür werden zu jeder Veranstaltung externe Experten als Impulsgeber eingeladen. Ganz wesentliches Ziel ist der Erfahrungs- austausch unter Kollegen und der Aufbau eines nachhaltigen Expertennetzwerkes über die Veranstaltungen hinaus. 2. FORUM Bildung Weitere Informationen erhalten Sie unter: Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. (HessenChemie) Jürgen Funk Murnaustraße 12  65189 Wiesbaden Telefon 0611 7106-49  Telefax 0611 7106-66 funk@hessenchemie.de  www.hessenchemie.de Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI Hessen) Heike Blaum Mainzer Landstraße 55  60329 Frankfurt am Main Telefon 069 2556-1649  Telefax 0611 2556-1614 blaum@vci.de  www.vci.de/hessen  Spotlight ... aus dem World Café Die Perspektive der Ausbilder Das Fachwissen der zukünftigen Fachkräfte tritt im Verhältnis zu anderen Kompetenzen in den Hintergrund. Aufgrund einer zunehmenden Technisierung wird die Prozessorientierung bereits in der Ausbildung immer wichtiger. Auch wenn das Profil des Ausbilders wissensorientiert bleibt, steigt der Bedarf an sozialpädagogischen Kenntnissen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt erfor- dert den „Ausbilder 4.0“. Dieser zeichnet sich vor allem durch den didak- tisch-methodisch richtigen Umgang mit den digitalen Medien aus, vermittelt aber auch weiterhin die Spielregeln der analogen Welt. Das FORUM Bildung – die offene Plattform für Bildungsfachleute Kay-Henric Engel, B. Braun Melsungen AG IMPRESSUM: V.i.S.d.P.: Jürgen Funk, HessenChemie  Heike Blaum, VCI Hessen Redaktion: Giulia Bachmann, HessenChemie Layout: Jan Hundhausen, Provadis Gruppe Fotos: Arne Landwehr

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