Neue Mieter trotz peripherer Lage.

50 %
50 %
Information about Neue Mieter trotz peripherer Lage.

Published on October 2, 2016

Author: MartinIsler

Source: slideshare.net

1. Die Zuwanderung ist nach wie vor das A und O der Mietwohnungsnachfrage. In den letzten Jahren sorgte der Zustrom von hoch qualifizierten Arbeitskräften in die Schweiz, insbesondere in den Zentren und deren Agglomerationen, für eine hohe und konstante Wohnungsabsorption. Nach Jahren von ansteigenden Wanderungssaldos zeichnete sich im Herbst 2014 ein erster leichter Rückgang ab. Mit knapp 73'000 Zuwanderern sank die Immigration im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr mit zehn Prozent nun erstmals deutlich. Die Abschwächung wird sich im laufenden Jahr fortsetzen, da sich weder die Konjunktur vollständig vom frankenbedingten Rückschlag erholt hat noch deutliche Wachstumsimpulse am Horizont zu erkennen sind. Angesichts der gegenüber von Eidgenossen attraktiven Ausschüttungsrendite wird in neuen Wohnraum investiert, was das Zeug hält. Die Nachfrageseite spielt bei Anlageentscheidungen zurzeit eher die Nebenrolle. So erschöpfen sich in den Zentren zusehends die Möglichkeiten, Mietwohnungen in einem mittleren oder tiefen Preissegment zu erstellen. Ausgereizte Baulandreserven, marktverzerrende Konkurrenz in Form von städtisch subventionierten Wohnbaugenossenschaften sowie eine oftmals ablehnende Haltung der Behörden, eine hohe Verdichtung zu bewilligen, katapultiert so manchen institutionellen Anleger zusehends über die Agglomeration hinaus. Wohnhäuser an peripheren Standorten mit Blick ins Grüne entstehen in hoher Zahl. Die im internationalen Vergleich vorteilhaften Rahmenbedingungen verliert die Schweiz nicht von heute auf morgen, doch sind diese alleine kein Garant dafür, die Erfolgsgeschichte nahtlos weiterschreiben zu können. Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar: Wirtschaftliche Not trieb im 19. Jahrhundert zehntausende Schweizer ins Ausland. Sie waren Wirtschaftsflüchtlinge und die Option, die ihnen noch blieb, bedeutete der Schweiz und Europa den Rücken zu kehren. Der starke Franken und ein harter internationaler Standortwettbewerb sind seit längerem spürbar. Hinzu erlauben wir uns hausgemachte Probleme wie regulatorische Verschärfungen oder steuerliche Aspekte. Kopfzerbrechen bereitet auch die Ungewissheit in Bezug auf die zukünftige Beziehung zur Europäischen Union. Deswegen gleich mental die Auswanderung vorzubereiten wird nicht notwendig sein. Die Nettoeinwanderung dürfte vielmehr anhalten, sich jedoch in Zukunft in ihrer Zusammensetzung entscheidend verändern. Wohnungen entstehen heute an den falschen Orten, um von der Einwanderung, die wir bis anhin kannten, profitieren zu können. Eine anziehende Wirtschaftslage in Europa wird die Zahl der Arbeitsmigranten weiter senken. Die damit verbundene leicht dämpfende Wirkung auf die Wohnungsnachfrage in den Zentren ist zu verkraften. Kompensieren könnte dieser Rückgang ein anhaltender Zustrom von Flüchtlingen. Und so fänden Angebot und Nachfrage, vermeintlich nur entkoppelt, am Ende doch noch zueinander. 10.2016 l Martin Isler l Marc Seiler l Bank J.Safra Sarasin AG l Real Estate Hub Switzerland KOLUMNE Neue Mieter trotz peripherer Lage.

Add a comment